Kunde wollte die billige und schlechte Lösung. Gewährleistung abgelehnt. Reklamiert trotzdem

Mitte Oktober war ich bei einem Kunden wegen des Anstrichs eines Garagenbodens. Garagenböden müssen grundsätzlich mit einer Zwei-Komponenten-Beschichtung beschichtet werden. Nur diese sind gegen die in den Autoreifen befindlichen Weichmacher immun.

Bei allen anderen Bodenanstrichen wandert der Weichmacher vom Reifen in die Beschichtung, weicht diese auf und die Beschichtung bleibt an den Reifen hängen. Über diese technischen Gegebenheiten wurde der Kunde von mir umfangreich beraten und aufgeklärt.

Nun ist die 2-K-Beschichtung eine etwas kostenintensive Angelegenheit. “Gibt es keine billigere Beschichtung?”, wurde ich gefragt. Es gibt keine billigere Möglichkeit. Es gibt nur eine billigere und sehr schlechte Lösung: Einen ganz normalen Fußbodenanstrich. Den aber ohne jede Gewährleistung.

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Dem Kunden alles haarklein erklärt und auch die Ablehnung der Gewährleistung mit in´s Angebot geschrieben. Der Kunde entschied sich für die billige und ungeeignete Lösung, ohne Gewährleistung.

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In diesen Tagen rief der Kunde an. Der Fußbodenanstrich hänge jetzt an den Reifen. Das dürfe ja nun nicht sein! Nach dieser kurzen Zeit.

Das gibt es schon öfter. Der Kunde will die optimale und beste Lösung, die ist ihm aber zu teuer. Die Fragen sind dabei immer die gleichen: “Ja gibt es denn nicht…?”, “Kann man nicht vielleicht…?”, “Warum ist das so?”, etc. etc.

Wie in diesem aktuellen Fall, hören die Kunden zwar zu, lesen auch “ohne Gewährleistung” blenden aber offensichtlich die Konsequenzen aus. Spätestens dann, wenn, wie hier, der Garagenboden in neuem Glanz erstrahlt und aussieht, als würde er ewig halten.

Dann geht die Tour von vorne los: “Ja warum…?”, “Warum jetzt schon?, “Da ist bestimmt der Untergrund nicht richtig vorbereitet worden.”, und und und! Und dabei der stetig gleich fordende Blick, dass ich dieses Problem jetzt kostenlos und dauerhaft löse.

Wie soll ein Handwerker damit umgehen? Ein schier unlösbares Problem, finde ich. Habe dem Herrn jetzt erstmal die Fakten in Erinnerung gerufen und meinen Anruf avisiert.

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Da bin ich wieder einmal gespannt, wie das endet.

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Ergänzung:

Aus Kulanz, haben wir dem Kunden, Anfang Juni 2011, die “Fahrstraßen” seiner Garage noch einmal, mit der “richtigen” Beschichtung überarbeitet. Zwar ebenfalls ohne Gewähr, aber kostenlos. Der Kunde hat sich dafür bei mir nicht einmal bedankt.

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7 Responses to “Kunde wollte die billige und schlechte Lösung. Gewährleistung abgelehnt. Reklamiert trotzdem”

  1. Frank sagt:

    Dummheit muss bestraft werden und war hier mit 447,66 € ein Schnäppchen.

    Ihnen eine gute Zeit

    Frank Schindler

  2. Hess sagt:

    Ein Teil der Kunden gehört in die Kategorie “Alles-wollen-wenig-bezahlen”. Andere kalkulieren zum vornherein einen tieferen Preis und suchen dann akribisch jede Mücke, erfinden eine Story, erpressen mit Bewertungsplattformen oder sonst was. Da ist Hopfen und Malz verloren. Wirklich?

    So lange Sie sachlich und bestimmt bleiben (wie in Ihrer Antwort), lassen Sie die Türe offen. Wer über ein wenig Selbstwertgefühl verfügt, realisiert das. Vielleicht ist es ihm im Innersten sogar peinlich. Und wissen Sie was passiert? Der Kunde, der bei mir am übelsten polterte, kehrte nach nur einem Jahr zurück – und wurde zum Top-Kunden.

    Die Unverbesserlichen überlassen Sie mit Wonne der Konkurrenz.

    Hans Peter Hess, nexttourism.ch

  3. Stefan Blohm sagt:

    Nun, mein Tipp an Sie, Herr Deck: Machen Sie weder solche Angebote noch führen Sie Arbeiten aus von denen Sie wissen,daß sie nicht sachgerecht sind. Sie haben das nicht nötig. Überlassen Sie solche Kunden doch einfach dem Wettbewerb :)

  4. Werner Deck sagt:

    Vielen Dank :-)

    Mit farbenfrohen und :-) freundlichen Grüßen, Ihr Opti-Maler-Partner
    Werner Deck

  5. Ein klarer Fall von Beratungsresistenz. Sie haben vollkommen richtig reagiert!

    Und vielen Dank für die vielen unterhaltsamen Geschichten. Ihre Seite gehört mittlerweile zu meiner morgentlichen Lektüre.

    Beste Grüße

  6. Ich würde solche Arbeiten nicht mehr durchführen. Gewährleistung ablehnen ist rechtlich immer eine vage Angelegenheit. Und wegen den paar Euros lasse ich es lieber sein und kaufe mir keinen Ärger. Aber hinterher sind wir immer alle schlauer……
    Viele Grüße
    Christian März

  7. Werner Deck sagt:

    @all

    Info: Wie in den Kommentaren teilweise empfohlen, machen wir das künftig nicht mehr und überlassen den Ärger dem Wettbewerb.

    Wie sagt Herr März richtig: “Hinterher sind wir immer schlauer.”

    Mit farbenfrohen und :-) Grüßen, Ihr Opti-Maler-Partner,
    Werner Deck